Gedanken im Le-Mans-Jubiläumsjahr

16.06.2010 22:45

Hans Herrmann über seinen Sieg in Le Mans im Jahr 1970 - Teil 1

Hans Herrmann. Foto: PORSCHE FAHRER
Hans Herrmann

Ein Sieg, ein grandioser Sieg, der wichtigste Sieg? Hans Herrmann gewann vor 40 Jahren zusammen mit Richard Attwood auf dem Porsche 917 Kurzheck das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. PORSCHE FAHRER online besuchte ihn in seiner Firma in Sindelfingen und unterhielt sich mit ihm über seine Gedanken im Jubiläumsjahr. Sicher, ein wichtiger Sieg, ein schwer erarbeiteter Erfolg, aber es gibt ja so viel mehr zu entdecken um den Le-Mans-Triumph herum. Besonders im Jubiläumsjahr. Wir starten eine kleine Serie.

Es ist nicht der einzige Erfolg, den Hans Herrmann 2010 feiern kann. Zehn Jahre vor dem Le-Mans-Sieg, 1960, hatte er mit einem Porsche RS 60 1,6 Liter für die Zuffenhausener erstmals den Gesamtsieg bei den 12 Stunden von Sebring geholt, dem ältesten Sportwagenrennen in den USA. In einer Zeit, in der bis zu 70 Prozent der Porsche-Produktion in die Vereinigten Staaten ging, bedeutete dieser Erfolg für das Unternehmen viel. Und ebenfalls 1960 trug er sich gleich zweimal in die Siegerliste der Targa Florio ein, einmal zusammen mit Joakim Bonnier als Gesamtsieger, und dank eines sorgfältig geplanten Fahrerwechsels mit Oliver Gendebien auf Platz 3.

Hans Herrmann im Porsche 908 in Le Mans. Foto: Archiv HerrmannÜber seinen Le-Mans-Erfolg im Jahr 1970 gerät ein Rennen in den Hintergrund, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Ein Jahr zuvor ging Hans Herrmann nur als Zweiter bei dem Langstreckenklassiker über die Ziellinie, aber das bei einem Wettbewerb, wie er sich in Le Mans bis heute nicht wieder ereignet hat. Herrmann lieferte sich ein Duell mit Jacky Ickx auf dem Ford GT 40. Sportlich gesehen war das sein größtes Rennen, sagt er, auch wenn er den Sieg verpasste.  „In den letzten eineinhalb Stunden haben Jacky und ich uns zwei bis viel Mal pro Runde überholt. Es kam keiner vom anderen weg.“

18 Minuten hatte Herrmann mit seinem Kollegen Gérard Larrousse zu Beginn des Rennens an der Box verloren, als an ihrem Porsche 908 ein Radlager gewechselt werden musste. Aus dem Rennen waren sie damit nicht: Nachdem sich die neuen Porsche 917 und ein weiterer 908 mit technischen Problemen aus dem Rennen verabschiedet hatten, war das Team Herrmann/Larrousse die letzte verbliebene Paarung, um den Sieg des Ford GT 40 aufzuhalten. Dann kamen die Bremsbeläge des Porsches an ihre Verschleißgrenze – und sie ließen nach. „Ich bin weitergefahren und habe darauf gesetzt, dass der andere Schwierigkeiten bekommt.“ Am Ende trennten Herrmann 100 Meter vom Sieg. Für ihn ist es trotzdem sein bestes Rennen in Le Mans geblieben.

Er hätte damals durchaus im Ford sitzen können, denn das Gulf-Team, das den Ford GT 40 in jenem Jahr letztmals einsetzte, gehörte seinem Schwager John Willment. Doch Herrmann wollte lieber bei Porsche bleiben.

PORSCHE FAHRER online setzt die Serie mit Hans Herrmann in den kommenden Wochen fort.

Teil 2

Teil 3

Teil 4

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