Hommage an den 935

29.09.2018 15:00

Porsche präsentiert ein ungewöhnliches Kleinserienmodell

Porsche hat in Laguna Seca eine Hommage an den Porsche 935 präsentiert. Foto: Porsche
Porsche hat in Laguna Seca eine Hommage an den Porsche 935 präsentiert. Foto: Porsche

Porsche hat auf der historischen Motorsportveranstaltung Rennsport Reunion auf dem Laguna Seca Raceway ein Stück Motorsporthistorie aufleben lassen. Auf Basis des 911 GT2 RS hat man eine Hommage an den Porsche 935/78 kreiert – und ihm den Namen Porsche 935 gegeben. Das Fahrzeug wird in einer Kleinserie von 77 Stück aufgelegt. „Moby Dick“ wurde das Vorbild genannt. Wir erinnern an seine Historie.

Ab 1976 gab es in der Markenweltmeisterschaft für Automobile sogenannte Produktionswagen der Gruppe 5, Silhouettenfahrzeuge. Hier mussten die Fahrzeuge sich an ein Seriensportwagen anlehnen, es gab aber trotzdem viele gestalterische Freiheiten. Dafür entwickelte Porsche das Modell 935. Es gab verschiedene Entwicklungsstufen, der 1978 präsentierte Porsche 935/78 war die stärkste davon – und die optisch spektakulärste. 750 PS leistete der aufgeladene 3,2-Liter-Motor. Und Porsche legendärer Renningenieur Norbert Singer nutzte das Reglement geschickt aus, um die Karosserie des 935/78 zu verändern: Der Vorgänger-935 wurde im unteren Bereich um sechs Zentimeter abgeschnitten, um ihn flacher zu machen. Statt des Bodenblechs gab es nur noch einen Alu-Rahmen, belegt mit einer dünnen Glasfibermatte. Das Getriebe wurde umgekehrt eingebaut.

Der Wagen basiert auf dem Porsche 911 GT2 RS. Foto: PorscheAuch in anderen Bereichen wusste Porsche die Freiheiten des Reglements geschickt zu nutzen. „Moby Dick“ war der erste Porsche mit wassergekühlten Zylinderköpfen. Da die Zylinder selber weiter mit Luft gekühlt wurden, war diese Modifikation zulässig. So bekam man einen thermisch stabileren Motor. Zwar basierten die Motoren des 935 auf der Konstruktion des Motors aus dem Porsche 911 Turbo der Baureihe 930, beim Motor des 935/78 war im Prinzip aber nur noch ein modifiziertes Kurbelgehäuse mit größeren Lagerbohrungen davon übrig.

Vorbild war der Porsche 935/78 aus dem Jahr 1978. Foto: Tobias KindermannDie Motorsportkarriere des 935/78 fiel kurz aus. 1978 entschied man bei Porsche, den Einsatz des 935 Privatteams zu überlassen, nur noch in Le Mans wollte man mit einem eigenen Wagen antreten – dem 935/78. Es gab eine Rennerprobung beim 6-Stunden-Rennen mit Jackie Ickx und Jochen Masss. Der Wagen gewann das Rennen. Stommelen/Schurti kamen nach technischen Problemen mit dem Fahrzeug in Le Mans nur auf Platz 8, danach rollte er ins Museum.

„Dieses spektakuläre Auto ist das Geburtstagsgeschenk von Porsche Motorsport an die Fans in aller Welt“, sagt Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge. „Da das Auto nicht homologiert ist, mussten Ingenieure und Designer nicht den üblichen Reglements folgen und konnten sich dementsprechend frei entfalten.“
Porsche monierte am 911 GT2 RS Anbauteile aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff (CFK), oder ersetzte sie dadurch. Der neue 935 kommt so auf eine Länge von 4,87 Meter. In der Breite misst er 2,03 Meter. Die Radhausentlüftungen auf den vorderen Kotflügeln sind vom GT3-Kundensportfahrzeug 911 GT3 R bekannt. Der auffällige Heckflügel ist 1,90 Meter breit und 40 Zentimeter tief.

Der jetzt präsentierte Wagen trägt ebenfalls die Bezeichnung 935. Foto: PorschePorsche verweist aber auch noch auf weitere Design-Zitate anderer Rennfahrzeuge aus dem Haus. Die LED-Rückleuchten in den Endplatten des Heckflügels sind an den LMP1-Renner 919 Hybrid angelehnt. Die Außenspiegel stammen vom 911 RSR, die Abgasendrohre aus Titan sind dem Porsche 908 aus dem Jahr 1968 nachempfunden.

Der Wählhebel des Getriebes ist in Schichtholz-Optik gestaltet und erinnert an Rennmodelle wie den 917, den 909 Bergspyder oder den Supersportwagen Carrera GT. Das Carbon-Lenkrad und das dahinterliegende Farbdisplay übernimmt der 935 vom 911 GT3 R des Modelljahres 2019. Dazu kommt ein Sicherheitskäfig mit einem Rennschalensitz und Sechspunkt-Gurten. Ein zweiter Sitz für die Beifahrerseite ist optional erhältlich. Eine Klimaanlage ist auch an Bord.

Norbert Singer (Mitte) setzte beim Porsche 935/78 viele ungewöhnliche Lösungen um. Foto: Tobias Kindermann  Angetrieben wird der neue 935 vom 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung, der weitgehend identisch ist mit dem Serienaggregat des straßenzugelassenen 911 GT2 RS ist. Seine Leitung bleibt mit 700 PS unverändert. Die Kraft des Heckmotors wird mittels eines Siebengang Porsche Doppelkupplungsgetriebes (PDK) mit starrer Aufhängung an die 310 Millimeter breiten Hinterräder übertragen. Dazu kommen die Fahrhilfen aus dem 911 GT2 RS wie das Fahrstabilitätssystem PSM (Porsche Stability Management) inklusive Traktionskontrolle sowie ein Antiblockiersystem (ABS). Die Fahrassistenzsysteme lassen sich mit Hilfe eines sogenannten Map-Schalters auf der Mittelkonsole in Abhängigkeit von der jeweiligen Fahrsituation separat verstellen oder komplett abschalten. 1030 Kilogramm wog das Vorbild „Moby Dick“, hier kann der neue 935 nicht mithalten: Er bringt 1380 Kilogramm auf die Waage.

Er kann ab sofort zu einem Preis von 701.948 Euro zuzüglich länderspezifischer Mehrwertsteuer bestellt werden. Die Kunden erhalten ihre Fahrzeuge ab Juni 2019.

Technische Daten Porsche 935 (Typ 991, Gen 2)

Konzept:
• Einsitziges seriennahes, nicht homologiertes Rennfahrzeug.
• Basis: Porsche 911 GT2 RS (991.2)

Gewicht/Maße:
• Gewicht: ca. 1.380 kg
• Länge: 4.865 mm
• Breite: 2.034 mm (inkl. Seitenspiegel)
• Gesamthöhe: 1.359 mm
• Radstand: 2.457 mm

Motor:
• Wassergekühlter 6-Zylinder-Aluminium-Biturbo-Boxermotor in Hecklage und starrer Aufhängung; 3.800 cm3; Hub 77,5 mm; Bohrung 102 mm; ca. 515 kW (700 PS)
• 4-Ventil-Technik mit Nockenwellenverstellung und Ventilhubabschaltung
Vario-Cam Plus
• Elektronisches Motormanagement (Continental SDI 9)
• 100-Zellen Metallkatalysator nach DMSB
• Endschalldämpfer mit Doppelendrohr in mittiger Anordnung im Heritage-
Design

Kraftübertragung:
• 7-Gang PDK-Getriebe mit starrer Aufhängung und kurzen Schaltwegen
• Zweimassenschwungrad
• Interne Druckölschmierung mit aktiver Ölkühlung
• Rennsport-optimierte Differentialsperre

Karosserie:
• Gewichtsoptimierte Rohkarosse in Aluminium-Stahl-Verbundbauweise mit CfK Anbauteilen zur Verbesserung der Aerodynamik sowie der Stabilität
• Heckflügel mit in Sideplates integriertem Leuchtenkonzept
• Vergrößerte Lufteinlässe mit integrierten LED-Hauptscheinwerfern im 4-Punkt-Design
• abnehmbare Dachluke gemäß FIA Art. 275a
• aerodynamik-optimierte Außenspiegel
• 115 Liter FT3 Sicherheitstank mit „Fuel-Cut-Off“ Sicherheitsventil gemäß FIA Art. 253 im Vorderwagen, optional mit Schnellbetankungskupplung
• eingeschweißter Sicherheitskäfig
• Rennschalensitz Recaro mit Längsverstellung und Padding System gemäß FIA Standard 8862/2009
• 6-Punkt Sicherheitsgurt
• Drei-Stempel Lufthebeanlage
• Feuerlöschanlage mit elektronischer Auslöseeinheit

Fahrwerk:
VA: McPherson-Federbein; Steifigkeitsoptimierter Schmiedelenker
mit Hochleistungsgelenklager Rad-Zentralverschluss; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Elektromechanische Servolenkung mit variabler Lenkübersetzung; Schwertstabilisator

HA: Leichtbau-Mehrlenkerachse mit Unibal-Gelenken; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Schwertstabilisator

Bremsen:
Bremssystem:
• Zwei getrennte Bremskreise für Vorder- und Hinterachse; Waagebalken-Balance-Regulierung.

VA:
• Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 380 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

HA:
• Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 355 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

Elektrik:
• Kombiinstrument bestehend aus COSWORTH ICD mit integriertem Datenlogger, Sport-Chrono-Uhr und Ladedruckanzeige in historischem Look
• CfK-Multifunktions-Lenkrad mit Pit Speed Limiter und Schnelltrennkupplung
• Fahrstabilitätssystem PSM (Porsche Stability Management) mit ABS, Traction Control und Electronic Stability Control vollständig abschaltbar
• Mittelkonsole mit Mapschalter für Einstellung ABS, ESC, TC und Wechsel zwischen voreingestellten Reifenumfängen
• Porsche Track Precision Race App
• Integrierter Laptrigger
• Leichtbau Lithium-Ionen (Li-Fe-Po-) Batterie, 60 Ah, auslaufsicher mit Position im Beifahrerfußraum
• Not-Aus-Schalter Cockpit und Frontscheibenrahmen links außen
• Reifendruckkontrollsystem (RDK)
• Klimaanlage

Felgen/Bereifung:
VA: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
11,5J x 18 ET 15,3 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 29/65-R18

HA: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
13J x 18 ET -10 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 31/71-R18

Farbe:
Achatgrau-Lack auf Wasserbasis; Optional: Martini-Livery

Fahrzeugpreis:
701.948 Euro zzgl. länderspezifischer MwSt. Auslieferung ab Juni 2019

911 GT2 RS: Kraftstoffverbrauch kombiniert 11,8 l/100 km; CO2-Emission 269 g/km

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