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Mr. 911 ist tot

31.10.2017 14:01

Peter W. Schutz starb im Alter von 87 Jahren

Peter W. Schutz auf einem Archivbild aus dem Jahr 1984. Foto: Porsche
Peter W. Schutz auf einem Archivbild aus dem Jahr 1984. Foto: Porsche

Der ehemalige Porsche-Vorstandsvorsitzende Peter W. Schutz ist an 29. Oktober in Naples, Florida, gestorben. Schutz leitete Porsche von 1981 bis 1987 und war gleich in mehreren Punkten ein ungewöhnlicher Manager. Vor allem die Rettung des Porsche 911 ist ihm zu verdanken – und damit auch der Identität des Unternehmens. Schutz wurde 87 Jahre alt.

Schutz kam Januar 1981 als Vorstandsvorsitzender zu Porsche und löste Ernst Fuhrmann ab. Er bekleidete den Posten bis Ende 1987. Unter Schutz entwickelte sich der Umsatz des Unternehmens von 850 Millionen auf 3,7 Milliarden Mark. Er sorgte dafür, dass der 911 nicht, wie unter Fuhrmann geplant, eingestellt wurde.
Bis 1972 stand Ferry Porsche, der Sohn von Ferdinand Porsche,  selber an der Spitze des Betriebes. Dann entschlossen sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, dass sich alle Familienmitglieder aus Management-Positionen zurückziehen sollten. Ferry Porsche wechselte in den Aufsichtsrat. Mit Ernst Fuhrmann kam daraufhin ein Motorenmann an die Spitze, der in den 50er-Jahren schon bei Porsche gearbeitet hatte. Fuhrmann war kein Freund des 911. Er sah dessen konzeptionelle Nachteile und setzte auf eine neue Generation von Sportwagen mit wassergekühlten Frontmotoren und Transaxle-Bauweise. Die Übernahme des einst für Volkswagen entwickelten 924 passte gut ins Konzept, dazu schob er die Entwicklung des Porsche 928 an. Doch 1980 schrieb Porsche erstmals Verluste, die Familieneigentümer sahen sich nach einem neuen Vorstandschef um.

Ungewöhnliche Wahl

Schutz war in mehrerer Hinsicht eine ungewöhnliche Wahl als Vorstandschef. Mit ihm kam erstmals ein Mann an die Spitze, der zuvor nichts mit Porsche oder Autos zu tun gehabt hatte. Zudem war er Amerikaner. Seine Familie war 1939 aus Berlin ausgewandert, zunächst für zwei Jahre nach Havanna, anschließend zog sie nach Chicago. Schutz hatte 15 Jahre für Caterpillar in Peoria gearbeitet, anschließend war er elf Jahre lang bei Cummins Engine in Columbus tätig, unter anderem als Vizepräsident. 1978 wechselte er zum Motorenhersteller Klöckner-Humboldt-Deutz nach Köln, der heutigen Deutz AG.

Schutz entschied, den Porsche 911 weiterbauen zu lassen – eine wie sich erwies essentielle Entscheidung für Porsche. Unser Bild zeigt ein 911 Turbo Cabrio aus dem Jahr 1987. Foto: PorscheSchutz erwies sich als erfolgreicher Verkäufer. Er hatte erkannt, wie sehr der 911 das Wesen des Unternehmens prägte. Dessen Verkaufszahlen stiegen spürbar an, als der 911 SC in einer Cabrio-Version 1982  auf den Markt kam. Aber auch die Vierzylinder-Transaxle-Modelle verkauften sich gut, der 928 tat sich etwas schwerer, seine Verkaufszahlen blieben immer deutlich hinter dem 911 zurück.

Ein Absatzrückgang um rund 10.000 Fahrzeuge, der vor allem durch schwache Verkäufe durch einen niedrigeren Dollarkurs auf dem damals wichtigsten Exportmarkt USA zu Stande kam, und ein sehr langes Festhalten am 911 in seiner inzwischen veralteten Konstruktion führte im Dezember 1987, ein Jahr vor Vertragsende, zu seiner Entlassung durch die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche. Nachfolger wurde Heinz Branitzki (1988 bis 1990), der seit 1965 bei Porsche im kaufmännischen Bereich tätig war. Ihm folgte Arno Bohn (1990 bis 1992), der vom Computerspezialisten Nixdorf kam.  Bohn wurden die hohen Entwicklungskosten des geplanten Viertürers 989 zum Verhängnis. Doch unter seiner Regie stellte der damalige Entwicklungschef Horst Marchart schon  die Weichen für die Zukunft, weil Machart das Baukastensystem für Boxster und 996 entwickelte, das schließlich unter Wendelin Wiedeking (1993 bis 2009) Porsche zu einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Hersteller machte.

Schutz kehrte 1988 in die USA zurück, wo er in Naples, Florida, bis zu seinem Tod lebte. Peter W. Schutz hinterlässt eine Ehefrau sowie eine Tochter und zwei Söhne.

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