Rückkehr zu den Wurzeln

29.11.2018 09:04

Porsche baut eine Rennversion des 911 GT2 RS

Porsche 911 GT2 RS
Porsche legt den 911 GT2 RS in einer Rennsportversion auf. Foto: Porsche

Porsche wird den 911 GT2 RS in einer Rennsportversion auf den Markt bringen. Das Modell stellte das Werk jetzt auf der Los Angeles Motorshow vor. Es ist die dritte Variante, die auf Basis dieses Wagens entsteht und sie ist deshalb etwas Besonderes, weil sie an die Ursprünge der GT2-Varianten des 911 anknüpft.

Schon die Präsentation der Straßenvariante des 911 GT2 war ein Fest für die Fans der ganz schnellen Sportwagen. Diese Version hält, mittlerweile in einer überarbeiteten Version von Manthey-Racing, den Rekord für Straßenzugelassene Fahrzeuge auf der Nürburgring Nordschleife. Erst vor wenigen Tagen schraubte Testfahrer Lars Kern die Zeit auf 6:40,3 Minuten herunter. Im September 2017 hatte man die Bestmarke mit einem serienmäßigen 911 GT2 RS bereits auf 6:47,3 min gelegt, ebenfalls von Lars Kern herausgefahren. Im August dieses Jahres hatte Lamborghini diese Zeit mit einer neuen Version des Aventador mit 6:44,97 min unterboten.

200 Exemplare werden von dem nicht straßenzugelassenen Fahrzeug gebaut. Foto: PorscheNachdem Porsche auf Basis des 911 GT2 eine Reminiszenz an den Porsche 935 Moby Dick in einer Kleinserie von 77 Stück auflegt, folgt nun die dritte Version: ein Rennsportgerät auf Basis des schnellsten von Porsche gebauten 911ers. Er ist seriennah, besitzt ebenfalls 700 PS und soll in 200 Exemplaren gebaut werden. Für die Straße ist er nicht zugelassen, er kann bei Clubsportveranstaltungen sowie bei ausgewählten Motorsportevents eingesetzt werden. Porsche steht dafür in Gesprächen mit dem Rennveranstalter SRO.

Das Armaturenbrett stammt vom 911 GT3 R. Foto: PorscheAn der Vorderachse sorgen Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel in Kombination mit innenbelüfteten und geschlitzten Stahlbremsscheiben mit 390 Millimeter Durchmesser für hervorragende Verzögerungswerte. An der Hinterachse sind Vier-Kolben-Sättel und 380-Millimeter-Scheiben verbaut. Wie der straßenzugelassene 911 GT2 RS verfügt die 1.390 Kilogramm leichte Clubsport-Variante über das Fahrstabilitätssystem Porsche Stability Management (PSM) inklusive Traktionskontrolle sowie ein Antiblockiersystem (ABS). Die Fahrassistenzsysteme lassen sich mit Hilfe eines sogenannten Map-Schalters auf der Mittelkonsole verstellen oder komplett abschalten. Das Carbon-Lenkrad und das Farbdisplay des 911 GT2 RS Clubsport stammen aus dem 911 GT3 R des Modelljahres 2019. Dazu kommt ein Überrollkäfig mit Rennschalensitz und Sechspunkt-Gurten sowie eine Klimaanlage.

Der erste 911 GT2 wurde für den Rennsport konzipiert. Foto: PorscheDamit knüpft Porsche auch an die erste Version des GT2 auf Basis der Baureihe 993 an. Dieser erste Porsche 993 GT2 war – anders als seine Nachfolger – tatsächlich als Sportgerät konzipiert. Die insgesamt 191 Fahrzeuge, die Porsche zwischen 1995 und 1998 verkaufte, dienten auch dazu, eine Homologation zu bekommen. Im Gegensatz zum 993 Turbo besitzt auch er nur Heckantrieb, der straßenzugelassene 993 GT2 wiegt mit 1295 Kilogramm über 200 Kilogramm weniger als der Turbo.  Statt 408 PS lieferte ihn Porsche gleich mit 430 PS durch erhöhten Ladedruck und Zusatzölkühler aus, im Modelljahr 1998 sogar mit 450 PS, für die größere Lader verantwortlich waren.

Während die normalen GT2 als Basis für die damals neue GT-2-Klasse im Langstreckensport dienten, lieferte Porsche auch einen GT2 Evolution aus, kurz „Evo“ genannt. Er sollte ab 1995 als schnelles Gerät für private Rennställe in der Top-Klasse GT 1 mitmischen. Mit rund 600 PS aus dem luftgekühlten Biturbo-Motor. Damit – das zeigte sich, war das Konzept luftgekühlter Turbomotor auch an seine Leistungsgrenzen geraten und man lag etwas hinter der Konkurrenz, wie etwa dem McLaren F1 GTR mit seinem BMW V12-Motor und sechs Litern Hubraum. Der Erfolg in der großen Klasse sollte deshalb ausbleiben.

Vermutlich werden die neuen 911 GT2-Rennversionen schnell vergriffen sein, wenn sie Porsche nicht schon im Vorfeld einer handverlesenen Käuferklientel offeriert hat. Er kann ab sofort zum Preis von 405.000 Euro zuzüglich länderspezifischer Mehrwertsteuer bestellt werden. Die Kunden erhalten ihre Fahrzeuge ab Mai kommenden Jahres.

Technische Daten Porsche 911 GT2 RS Clubsport (Typ 991 II)

Konzept:
• Einsitziges seriennahes Rennfahrzeug, nicht straßenzugelassen
• Basis: Porsche 911 GT2 RS (991 II)

Gewicht/Maße:
• Gewicht: ca. 1.390 kg
• Länge: 4.743 mm
• Breite: 1.978 mm
• Gesamthöhe: 1.359 mm
• Radstand: 2.457 mm

Motor:
• Wassergekühlter 6-Zylinder-Aluminium-Biturbo-Boxermotor in Hecklage und starrer Aufhängung; 3.800 cm3; Hub 77,5 mm; Bohrung 102 mm; ca. 515 kW (700 PS)
• 4-Ventil-Technik mit Nockenwellenverstellung und Ventilhubabschaltung Vario-Cam Plus
• Elektronisches Motormanagement (Continental SDI 9)
• 100-Zellen Metallkatalysator nach DMSB
• Endschalldämpfer mit Doppelendrohr in mittiger Position

Kraftübertragung:
• 7-Gang PDK-Getriebe mit starrer Aufhängung und kurzen Schaltzeiten
• Zweimassenschwungrad
• Interne Druckölschmierung mit aktiver Ölkühlung
• Rennsport-optimierte Differentialsperre

Karosserie:
• Leichtbaukarosserie in Aluminium-Stahl-Verbundbauweise
• CFK-Motorsport-Heckflügel
• Vergrößerte Lufteinlässe mit integrierten LED-Hauptscheinwerfern im 4-Punkt-Design
• CFK-Dach inklusive abnehmbare Rettungsluke gemäß FIA Art. 275a
• Leichtbau-CFK-Frontdeckel mit Schnellverschlüssen
• Abnehmbarer CFK-Heckdeckel mit Schnellverschlüssen
• 115 Liter FT3 Sicherheitstank, Befüllung durch die Fronthaube
• eingeschweißter Sicherheitskäfig
• Rennschalensitz Recaro mit Längsverstellung und Padding-System gemäß FIA Standard 8862/2009
• 6-Punkt Sicherheitsgurt
• Drei-Stempel Lufthebeanlage
• Feuerlöschanlage mit elektronischer Auslöseeinheit

Fahrwerk:
VA:
• McPherson-Federbein; einstellbar in Höhe, Sturz und Spur, Steifigkeitsoptimierter Schmiedelenker mit Hochleistungsgelenklager, Rad-Zentralverschluss; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Elektromechanische Servolenkung mit variabler Lenkübersetzung; Schwertstabilisator

HA:
• Mehrlenker-Hinterachse, einstellbar in Höhe, Sturz und Spur; Steifigkeitsoptimierter Schmiedelenker mit Hochleistungsgelenklager, Rad-Zentralverschluss; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Schwertstabilisator

Bremsen:
Bremssystem:
• Zwei getrennte Bremskreise für Vorder- und Hinterachse; Waagebalken-Balance-Regulierung.

VA:
• Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 390 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

HA:
• Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 380 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

Elektrik:
• Kombiinstrument bestehend aus COSWORTH ICD mit integriertem Datenlogger, Sport-Chrono-Uhr und Ladedruckanzeige in historischem Look
• Abnehmbares Porsche-Rennlenkrad mit Schaltwippen
• Fahrstabilitätssystem Porsche Stability Management (PSM) mit ABS, Traction Control und Electronic Stability Control vollständig abschaltbar
• Mittelkonsole mit Mapschalter für Einstellung ABS, ESC, TC und Wechsel zwischen voreingestellten Reifenumfängen
• Porsche Track Precision Race App
• Integrierter Laptrigger
• Leichtbau Lithium-Ionen (Li-Fe-Po-) Batterie, 60 Ah, auslaufsicher mit Position im Beifahrerfußraum
• Not-Aus-Schalter Cockpit und Frontscheibenrahmen links außen
• Reifendruckkontrollsystem (RDK)
• Klimaanlage

Felgen/Bereifung:
VA:
• Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen; 10,5J x 18 ET 28 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 27/65-R18

HA:
• Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen; 12,5J x 18 ET 46 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 31/71-R18

Farbe:
Weißer Lack auf Wasserbasis




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