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Wer ist der Favorit?

11.06.2017 15:27

Porsches Stärke in Le Mans lässt sich noch nicht einschätzen

Das Porsche-LMP-Team: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley (Porsche 919 Hybrid #2); Neel Jani, Nick Tandy, Andre Lotterer (Porsche 919 Hybrid #1). Foto: Porsche
Das Porsche-LMP-Team: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley (Porsche 919 Hybrid #2); Neel Jani, Nick Tandy, Andre Lotterer (Porsche 919 Hybrid #1). Foto: Porsche

Wer ist in diesem Jahr Favorit für den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans? Der erste Testtag gab Hinweise. Doch noch kann man die Stärke von Porsche in diesem Jahr nicht so recht einschätzen. Das hat mehrere Gründe.

Toyota dominierte den ersten Testtag vor einer Woche: Mit 3:18.132 Minuten lag Kamui Kobayashi im TS050 mit der Startnummer 7 vier Sekunden unter dem Wert des Vorjahrs – und 1,6 Sekunden unter der Polezeit des Vorjahrs. Zumindest eine Rechnung ist schon nicht aufgegangen: Durch Änderungen an der Aerodynamik sollten die schnellen LMP-1-Prototypen eingebremst werden.

Fritz Enzinger hat das LMP-1-Team aufgebaut und leitet es seit der Rückkehr von Porsche in den Langstrecken-Spitzensport. Foto: PorscheWie lief es in Le Mans seit der Rückkehr von Porsche? Bislang konnte Toyota das 24-Stunden-Rennen  noch nie gewinnen, trotz guter Ausgangslage. 2014 waren es Unfälle und Defekte, die die zwei schnellen Wagen zurückwarfen, Porsche war in der Lernphase, Audi siegte dank Erfahrung und weil man drei Wagen am Start hatte. Im nächsten Jahr rüstete Porsche auf: Ein drittes Fahrzeug sollte die Siegchancen erhöhen.

Das klappte, wenn auch anders als erwartet. Im dritten Wagen starteten der Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg sowie die beiden LMP-1-Neulinge Earl Bamber und Nick Tandy. Sie holten etwas überraschend den Sieg – und keine der beiden Stammbesatzungen. 2016 traten aufgrund der Dieselaffäre sowohl Audi und Porsche nur noch mit zwei Wagen an. Durch den Ausfall von Toyota wenige Minuten vor Schluss gewannen Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas für Porsche. Doch das Trio kann seinen Titel nicht verteidigen. Dumas und Lieb erhielten am Ende der Saison keinen neuen LMP-1-Vertrag mehr.

Porsche tritt in der GTE-Pro-Klasse erstmals mit dem neuen Mittelmotor-911-RSR an. Foto: PorschePorsche besetzte nach drei Jahren Kontinuität seine Cockpits neu. Nun bilden Neel Jani und Nick Tandy mit André Lotterer ein Team in der #1. Lotterer kommt von Audi, die sich am Ende der vergangenen Saison überraschend aus der LMP 1 zurückgezogen haben. Timo Bernhard, Earl Bamberg und Brendon Hartley steuern den zweiten Wagen mit der #2. Wie schon im Vorjahr verzichtet Porsche aus Kostengründen darauf, ein drittes Fahrzeug einzusetzen. Nach der dramatischen Niederlage – der führende Toyota rollte 2016 eine Runde vor Schluss aus, weil sich eine Schlauchverbindung am Motor gelöst hatte und der Motor keine Leistung mehr besaß – tritt das Werk in diesem Jahr erstmals mit drei Fahrzeugen an. Eine Kampfansage.

Während Toyota beim Vortest schon auf Zeit fuhr, kämpfte man bei Porsche mit Technik-Problemen und spulte nur ein Testprogramm ab. Wie schnell der 919 Hybrid läuft, lässt sich nicht einschätzen. Bei Porsche spricht man von einem „harten Kampf“ um den Gesamtsieg. Und liegt damit wohl auch richtig. Toyota konnte die beiden ersten WEC-Rennen in Silverstone und Spa gewinnen.

Frank-Steffen Walliser ist bei Porsche Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge. Foto: PorscheUnd in der GT-Klasse? Da war beim Vortest auch viel „sandbagging“ zu spüren. Rückkehrer Ford holte 2016 mit dem GT40 den Klassensieg. Und war diesmal bei den Vortest um 1,5 Sekunden langsamer als damals. Auf die  Erklärungsversuche bei Ford – man habe weniger Leistung bekommen und mehr Gewicht – reagierte die Konkurrenz amüsiert. Ford gilt erneut als Favorit, obwohl Porsche mit dem 911 RSR ein völlig neues Rennauto in dieser Saison einsetzt. Corvette lag im Test vor Porsche, aber das ist zu dem Zeitpunkt nicht aussagekräftig. Die Fahrzeiten waren zudem kurz.

In der Klasse GTE-Pro teilen sich Richard Lietz (Österreich), Frédéric Makowiecki (Frankreich) und Patrick Pilet (Frankreich) den neuen 911 RSR mit der Startnummer 91. Den zweiten vom Porsche GT Team eingesetzten 911 RSR (Startnummer 92) fahren ihre Werksfahrerkollegen Michael Christensen (Dänemark), Kévin Estre (Frankreich) und Dirk Werner (Würzburg).

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